Etwa jeder vierte Berufstätige muss aus gesundheitlichen Gründen schon vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheiden und wird somit berufsunfähig. Wie eine aktuelle Auswertung eines großen Lebensversicherers zeigt, steigt der Anteil psychischer Leiden an den Auslösern einer Berufsunfähigkeit (BU) weiter an. 2020 waren es noch 41 Prozent, die wegen Depressionen, Burn-out oder vergleichbarer Erkrankungen vor dem Rentenalter ihren Beruf aufgeben mussten. 2021 stieg dieser Wert auf 45 Prozent.
Auf gut 15 Prozent kommen Geschwülste wie Krebserkrankungen, danach folgen mit 12 Prozent Erkrankungen des Bewegungsapparats, die in früheren Zeiten BU-Hauptauslöser waren. Erstmals wurden auch BU-Fälle infolge einer Corona-Erkrankung anerkannt, sie machen 0,6 Prozent aus.
Noch immer hat nur eine Minderheit der Arbeitnehmer die eigene Arbeitskraft privat abgesichert, obwohl die gesetzliche Erwerbsunfähigkeitsrente den wenigsten Menschen zum Leben reicht. Eine BU-Police leistet bis zum vereinbarten Endalter (meist nahe Rentenalter) eine monatliche Rente, die wesentlich zum Erhalt des Lebensstandards beitragen kann.
Für die Studie haben die Wissenschaftler Daten der eigenen Kunden ausgewertet. Frauen sind demnach häufiger betroffen als Männer: Knapp die Hälfte (44 Prozent) aller Frauen sind wegen einer psychischen Erkrankung berufsunfähig. Bei Männern sind es lediglich 28 Prozent.
Eine psychische Erkrankung wird bei Frauen häufiger in jungen Jahren festgestellt als bei Männern. Männern wird die Diagnose eher in der zweiten Lebenshälfte gestellt.
Nicht mehr Fälle, aber mehr Diagnosen
Die Analyse deckt sich mit Zahlen der Rentenversicherung des Bundes: Im Jahr 2018 wurden mehr als 170.000 stationäre Rehabilitationen wegen psychischer Krankheiten bewilligt, das sind rund 50.000 mehr als zehn Jahre zuvor. Das entspricht einem Anstieg von 40 Prozent.
Nach psychischen Erkrankungen sind körperliche Einschränkungen (24 Prozent) und Unfälle (14 Prozent) die häufigsten Gründe, warum sich Deutsche berufsunfähig melden. Krebserkrankungen waren zuletzt in neun Prozent der Fälle der Grund für eine Berufsunfähigkeit.
Für junge Männer ist hingegen ein Unfall die Ursache Nummer eins, wenn es um die Berufsunfähigkeit geht. Insgesamt muss nach Berechnungen von Versicherungen rund jeder Vierte im Laufe seines Arbeitslebens den zuletzt ausgeübten Beruf einschränken oder aufgeben.
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